„Eine um­welt­scho­nende Zukunfts­tech­no­lo­gie“

Der Schiffbau-Ingenieur Lutz van der Kuil ist bei Hülskens der Mann fürs Energiemanagement. Warum er an schwimmende Solartechnik glaubt und welche Rolle dabei die Wasserbau-Expertise des Unternehmens spielt, erzählt er im Interview.

Hülskens hat in Vorselaer gerade die größte schwimmende Solaranlage in Nordrhein-Westfalen errichtet. Warum?

Lutz van der Kuil Weil solche sogenannten Floating-Solar-Anlagen es besonders effizient ermöglichen, sowohl Energiekosten zu sparen als auch die Umwelt zu schonen. Mit der Anlage in Voerselaer können wir nahezu den gesamten Energiebedarf unseres Kieswerks dort decken. Wir verbrauchen also weniger fossile Energie und reduzieren unseren CO2-Abdruck. Das liegt uns als Unternehmen bereits seit langem am Herzen.

Ginge das nicht auch mit einer herkömmlichen Photovoltaik-Anlage?

LVDK Da würden wir in Vorselaer das Potenzial der Technik verschenken: Dank der Konstruktion auf dem ja ohnehin vorhandenen Wasser mussten wir keine Naturflächen an Land verbauen. Wir setzen hier auf sehr leistungsstarke Module, sie umfassen nur 150 mal 50 Meter. In ganz Deutschland betreiben wir bei Hülskens schon seit Jahren ähnliche Anlagen auf schwimmenden Untersätzen. So haben wir zum Beispiel den Dieselverbrauch auf Baustellen enorm reduzieren können. All das Know-how, das wir dabei gesammelt haben, ist jetzt in das Projekt in Vorselaer geflossen. Planung, Konstruktion und Montage haben wir komplett selbst übernommen, unterstützt von einem Partner für die Solartechnologie.

Wie wirkt sich so eine Anlage auf Flora und Fauna vor Ort aus?

LVDK Positiv! Das haben wir auch mithilfe einer kleinen, technisch ähnlich ausgelegten Testanlage am Firmensitz in Wesel überprüft. Solarmodule tragen dazu bei, eine Überwärmung von Gewässern zu verhindern und schränken das Wachstum von Algen ein. Davon wiederum profitieren Fische und andere Lebewesen im Wasser. Bevor der Bau in Vorselaer beginnen konnte, haben wir ein breit angelegtes Genehmigungsverfahren durchlaufen, in dem es genau um solche Fragen ging. Beteiligt waren natürlich auch der Naturschutz und die Fischerei. Jetzt, wo die Anlage in Betrieb ist, werden wir außerdem permanentes Bio-Monitoring durchführen, damit wir bei etwaigen Problemen schnell eingreifen können.

Vorselaer ist ein Pionier-Projekt. Hat Hülskens noch mehr vor in Sachen Photovoltaik?

LVDK Wir werden jetzt erst einmal sehen, wie sich die Anlage im Betrieb bewährt. Grundsätzlich ist Photovoltaik, gerade auf dem Wasser, eine umweltschonende Zukunftstechnologie. Länder wie Japan, Frankreich oder die Niederlande sind da schon deutlich weiter als wir. Auch bei uns in Deutschland könnte man schwimmende Anlagen in größerem Maßstab einsetzen, etwa in Gebieten mit offengelassenen Tagebau-Flächen. Hülskens ist mit seiner umfangreichen Erfahrung im Wasserbau jedenfalls gut gerüstet für solche Projekte.


Sehen Sie hier unser Video aus der Planungsphase im Sommer 2020:

Grüne Power fürs Kieswerk

Die von Hülskens-Spezialisten in Eigenregie geplante schwimmende Photovoltaik-Anlage in Vorselaer hat im Spätsommer 2020 den Betrieb aufgenommen. Um 312 Tonnen jährlich, so die Berechnungen, wird sie den CO2-Ausstoß des Unternehmens künftig reduzieren. Das Anlagendesign basiert auf einer Unterbau-Konstruktion mit 90 metallenen Schwimmern, auf denen über 1.800 hoch innovative Solarmodule montiert sind. Übers Jahr gerechnet will Hülskens so 1.000.000 Kilowattstunden Solarstrom produzieren: Ein Ertrag, der ausreichen würde, um ein Jahr lang über 300 Privathaushalte mit Strom zu versorgen.